Ein logischer nächster Schritt – warum ich Rechtswissenschaften studiere

Manchmal trifft man eine Entscheidung, die auf den ersten Blick wie etwas vollkommen Neues wirkt. Und manchmal stellt man beim genaueren Hinsehen fest, dass man eigentlich schon ziemlich lange auf genau diesen Punkt zugelaufen ist.

Meine Zulassung zum Studium der Rechtswissenschaften gehört für mich zur zweiten Kategorie.

Ich werde Jura studieren.

Das klingt zunächst nach einem neuen Kapitel. Für mich ist es aber vor allem die konsequente Weiterentwicklung eines beruflichen und persönlichen Weges, auf dem mich rechtliche Fragen, Konflikte und die Auseinandersetzung mit Regeln und Strukturen schon sehr lange begleiten.

Recht war eigentlich nie weit weg

Wenn ich auf meinen bisherigen beruflichen Weg zurückblicke, erkennt man eine Linie, die mir selbst vielleicht lange gar nicht in dieser Deutlichkeit bewusst gewesen ist.

Viele Jahre war ich im Bewachungsgewerbe tätig. Wer in diesem Bereich arbeitet, bewegt sich ständig in einem Spannungsfeld zwischen tatsächlicher Situation, Verantwortung, Befugnissen und rechtlichen Grenzen. Es reicht nicht, eine Situation irgendwie zu lösen. Man muss wissen, was man darf, wo Grenzen verlaufen und welche Konsequenzen das eigene Handeln haben kann.

Später wechselte ich in den sozialen Bereich. Der Blickwinkel veränderte sich, die grundsätzlichen Fragen blieben jedoch erstaunlich ähnlich: Menschen, Konflikte, Interessen, Regeln und die Suche nach tragfähigen Lösungen.

Danach führte mich mein Weg zur Polizei Hamburg. Auch dort gehörte die Beschäftigung mit rechtlichen Rahmenbedingungen selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Recht ist in diesem Umfeld nichts Abstraktes. Es bestimmt ganz konkret, was staatliches Handeln darf, wo seine Grenzen liegen und welche Rechte Menschen haben.

Mit meiner späteren Umschulung zum Fachinformatiker für Systemintegration kam zunächst ein deutlicher fachlicher Richtungswechsel. Auch dieser Schritt gehört zu meiner Entwicklung. Er hat meinen Blick auf Strukturen, Systeme und lösungsorientiertes Arbeiten noch einmal verändert und erweitert.

Ganz verschwunden ist das Thema Recht allerdings nie.

Von Kommunikation und Konflikten wieder zurück zum Recht

Mit meiner Selbstständigkeit rückten Kommunikation, Strategie und Konfliktbegleitung stärker in den Mittelpunkt meiner Arbeit.

Dabei zeigte sich relativ schnell, dass Konflikte häufig nicht nur kommunikative Ursachen haben. Immer wieder spielen rechtliche Fragen, formelle Verfahren, Behörden, Unternehmen oder andere institutionelle Strukturen eine Rolle.

Ich habe Menschen und teilweise auch Vereine dabei begleitet, komplexe Situationen zunächst einmal zu sortieren: Unterlagen zusammenzustellen, Abläufe nachvollziehbar zu machen, Kommunikation vorzubereiten, Positionen zu strukturieren und gemeinsam Strategien für das weitere Vorgehen zu entwickeln.

Das ersetzt keine anwaltliche Rechtsberatung – und soll es auch nicht.

Gerade dort, wo eine juristische Prüfung oder Vertretung notwendig ist, gehört diese Aufgabe in die Hände entsprechend befugter Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte.

Aber auch rund um ein rechtliches Verfahren gibt es viele Fragen: Was ist eigentlich passiert? Welche Unterlagen sind vorhanden? Was wurde wann gesagt? Was möchte man erreichen? Wie kommuniziert man mit Beteiligten? Welche Fragen sollte man einem Anwalt stellen? Und wie lässt sich ein oftmals unübersichtlicher Konflikt überhaupt erst einmal verständlich strukturieren?

Genau an dieser Schnittstelle habe ich in den vergangenen Jahren immer häufiger gearbeitet.

Irgendwann reicht praktisches Wissen nicht mehr

Mit zunehmender Erfahrung entstand bei mir deshalb auch ein stärkerer Wunsch, rechtliche Zusammenhänge nicht nur aus der Praxis kennenzulernen.

Wenn man häufiger mit Rechtsanwälten arbeitet, Gerichtsverfahren begleitet, Entscheidungen liest oder mit Behörden und anderen Institutionen kommuniziert, merkt man irgendwann, wie groß das juristische System tatsächlich ist.

Man versteht einzelne Zusammenhänge. Man sammelt Erfahrung. Man lernt Begriffe, Verfahren und Strukturen kennen.

Aber irgendwann kommt für mich der Punkt, an dem Erfahrung allein nicht mehr genügt.

Ich möchte verstehen, warum eine Rechtsnorm so ausgelegt wird.

Ich möchte lernen, wie juristische Argumentation tatsächlich aufgebaut wird.

Ich möchte Recht nicht nur anhand einzelner Situationen kennenlernen, sondern systematisch – von den Grundlagen an.

Und genau deshalb ist das Studium für mich der nächste logische Schritt.

Noch einmal Student

Natürlich ist mir bewusst, worauf ich mich damit einlasse.

Ich beginne dieses Studium nicht unmittelbar nach dem Abitur und auch nicht in einer Lebensphase, in der ansonsten wenig passiert.

Ich habe Familie. Ich bin selbstständig. Ich unterrichte. Ich arbeite an eigenen Projekten. Und ich habe bereits einige berufliche Stationen hinter mir.

Jetzt kommt ein Jurastudium dazu.

Gerade deshalb empfinde ich diesen Schritt aber nicht als Neustart.

Ich fange nicht wieder bei null an.

Ich nehme Erfahrungen aus sehr unterschiedlichen Bereichen mit: aus dem Sicherheitsbereich, aus sozialer Arbeit, aus der Tätigkeit bei der Polizei, aus der Informationstechnik, aus Kommunikation und Beratung und aus der Begleitung von Konflikten.

Das juristische Studium soll diese Erfahrungen nicht ersetzen.

Es soll ihnen eine weitere Ebene hinzufügen.

Und wohin soll das führen?

Darauf gibt es momentan zwei Antworten.

Die erste ist relativ einfach: Ich möchte mich fachlich weiterentwickeln.

Das Wissen aus dem Studium wird meine Arbeit zwangsläufig beeinflussen – beim Analysieren von Situationen, beim Strukturieren von Konflikten und beim Verständnis für Verfahren und institutionelle Entscheidungen.

Die zweite Antwort reicht deutlich weiter in die Zukunft.

Natürlich beschäftigt mich inzwischen auch die Frage, was daraus beruflich irgendwann entstehen könnte.

Wenn das Studium erfolgreich verläuft und ich den gesamten notwendigen Ausbildungsweg bewältige, kann ich mir heute durchaus vorstellen, später auch juristisch beruflich tätig zu werden.

Und ja: Auch der Gedanke an eine spätere Tätigkeit als Rechtsanwalt ist mittlerweile zu einem kleinen persönlichen Traum geworden.

Bis dahin liegt allerdings ein langer Weg vor mir.

Deshalb möchte ich daraus heute auch keine große Zukunftsankündigung machen.

Zunächst einmal beginnt das Studium.

Dann kommen die ersten Module, Prüfungen und vermutlich ausreichend Gelegenheiten, festzustellen, wie anspruchsvoll die Entscheidung wirklich war.

Eigentlich war das Thema schon immer da

Vielleicht ist genau das für mich die interessanteste Erkenntnis an dieser Entscheidung.

Auch privat war ich schon lange jemand, den Menschen ansprechen, wenn sie vor einer schwierigen Situation stehen, ein Schreiben nicht einordnen können oder nicht wissen, wie sie mit einem Konflikt umgehen sollen.

Nicht, weil ich jede Antwort hätte.

Sondern weil ich gerne versuche, komplizierte Situationen auseinanderzunehmen, Informationen zu sortieren und daraus einen nachvollziehbaren nächsten Schritt zu entwickeln.

Genau diese Art zu denken zieht sich durch sehr viele Stationen meines Lebens.

Strategie. Kommunikation. Konflikte. Strukturen. Recht.

Heute kommen diese Bereiche für mich immer stärker zusammen.

Jetzt beginnt der nächste Abschnitt

Mit der Zulassung zum Studium ist deshalb für mich vor allem eines passiert:

Eine Idee, die sich über längere Zeit entwickelt hat, wird konkret.

Ich bin jetzt Student der Rechtswissenschaften.

Was daraus in einigen Jahren tatsächlich entsteht, kann heute niemand wissen – ich selbst am allerwenigsten.

Vielleicht ist das aber auch gar nicht entscheidend.

Entscheidend ist zunächst, dass ich mich entschieden habe, diesen Weg zu gehen.

Nicht als Abkehr von dem, was ich bisher gemacht habe.

Sondern als konsequente Weiterentwicklung davon.

Und darauf freue ich mich.